Warum ein Bürgerforum zur demokratischen Resilienz?
Die europäischen Demokratien geraten immer stärker unter Druck, wobei die Ursachen von geopolitischen Spannungen und dem raschen technologischen Wandel bis hin zur Polarisierung der Gesellschaft sowie schwindendem Vertrauen und Engagement der Öffentlichkeit reichen. Freie und faire Wahlen, freie Meinungsäußerung, Medien, Journalistinnen und Journalisten sowie die Zivilgesellschaft sind ebenfalls in steigendem Maße bedroht.
Um den zunehmenden Bedrohungen für die Demokratie zu begegnen, hat die Europäische Kommission 2025 den Europäischen Schutzschild für die Demokratie mit konkreten Maßnahmen zur Stärkung der Demokratie in der gesamten EU vorgestellt.
Im Rahmen dieser umfassenderen Bemühungen werden 150 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten zusammenkommen und über die folgenden zentralen Fragen diskutieren:
- Wie können wir gemeinsam unsere Demokratien stärken und resilienter machen?
- Was sollte die EU, auf der Grundlage Ihrer eigenen Erfahrung und anknüpfend an den Europäischen Schutzschild für die Demokratie, tun, damit wir alle an der Demokratie, in der wir leben, teilhaben und sie mitgestalten können?

Was von dem Bürgerforum zu erwarten ist
Bei der demokratischen Resilienz geht es nicht nur um Gesetze, Institutionen oder Technologien. Es geht auch um die alltäglichen Erfahrungen der Menschen: darum, wie sie Informationen finden und bewerten und miteinander in Kontakt treten, darum, ob sie das Gefühl haben, bei den EU-Organen, den nationalen Regierungen und den lokalen Behörden, Gehör zu finden, ob sie der öffentlichen Debatte vertrauen und echte Möglichkeiten haben, die Zukunft der Demokratie und ihre eigene Zukunft zu gestalten. Aus diesem Grund möchte die Europäische Kommission direkte Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern in ganz Europa einholen.
Auf drei Sitzungen wird erörtert, was Bürgerinnen und Bürgern sowie Gemeinschaften bei der Teilhabe am demokratischen Leben helfen und die Resilienz der Gesellschaft erhöhen könnte. Die Teilnehmenden erhalten die Informationen, die Anleitung und die sprachliche Unterstützung, die sie benötigen, um die Themen zu verstehen und sich in die Beratungen voll einzubringen.
Am Ende des Prozesses wird das Forum eine Reihe von Empfehlungen ausarbeiten, die der Europäischen Kommission vorgelegt werden, damit diese sie direkt in ihre Arbeit an der Stärkung der Demokratie auf der Grundlage des Europäischen Schutzschilds einfließen lässt.
Zeitplan
Das Europäische Bürgerforum zur demokratischen Resilienz wird an drei Wochenenden zwischen September und November 2026 tagen.
- 18.-20. September1. Tagung – Brüssel
- Verständnis des Themas der demokratischen Resilienz und seiner Bedeutung im Alltag.
- Ermittlung der wichtigsten Herausforderungen, auf die sich das Forum konzentrieren sollte.
- 16.-18. Oktober2. Tagung – online
- Aufbauend auf den Beratungen der 1. Tagung wird untersucht, was Menschen und Gemeinschaften dabei helfen kann, am demokratischen Leben teilzuhaben und die Resilienz zu stärken.
- Beginn der Ausarbeitung von Empfehlungen auf der Grundlage der vom Forum ermittelten Prioritäten.
- 20.-22. NovemberAbschlusstagung – Brüssel
- Die Schlussfolgerungen aus den Debatten werden gezogen und aus den Ideen endgültige Empfehlungen an die Europäische Kommission formuliert.
- Erläuterung der nächsten Schritte – wie werden die Empfehlungen in die Politikgestaltung einfließen?
Was ist demokratische Resilienz?
Eine Voraussetzung der Demokratie – der Regierung durch und für das Volk – ist, dass die Bürgerinnen und Bürger in der Lage sind, sich sinnvoll zu beteiligen. Heutige Demokratien werden jedoch durch verschiedene Kräfte unter Druck gesetzt, sodass die Menschen sich schlechter informiert fühlen, ihre Verbundenheit mit den demokratischen Institutionen abnimmt und sie den Eindruck haben, weniger Gehör zu finden.
Im alltäglichen Sprachgebrauch bedeutet Resilienz die Fähigkeit der Demokratie – einschließlich ihrer Institutionen, der Zivilgesellschaft, der Bürgerinnen und Bürger sowie der Gemeinschaften –, sich für Bedrohungen oder Krisen zu wappnen, ihnen standzuhalten, sich von ihnen zu erholen und dabei freie Wahlen, die Rechtsstaatlichkeit, die Grundrechte und die Fähigkeit der Menschen zur Teilnahme am öffentlichen Leben aufrechtzuerhalten.
Demokratische Resilienz kann nicht allein von Regierungen oder Institutionen geschaffen werden, sie hängt auch von den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Gemeinschaften ab. Über das Europäische Bürgerforum können Bürgerinnen und Bürger aus der gesamten EU zu diesen gemeinsamen Bemühungen beitragen, indem sie künftige EU-Maßnahmen für mehr demokratische Resilienz mitgestalten.

